Predigt Dreifaltigkeits Sonntag, 30.5.2010, Lesejahr C, Lesung, Evangelium, Joh 16,12-15, Röm 5,1-5, Ankündigung des Heiligen Geistes

Predigt Dreifaltigkeits Sonntag, 30.5.2010, Lesejahr C, Lesung, Evangelium, Joh 16,12-15, Röm 5,1-5, Ankündigung des Heiligen Geistes

Dreifaltigkeitssonntag   C

Sonntag nach Pfingsten

1. Lesung                                                                                      Spr 8, 22-31

Lesung aus dem Buch der Sprichwörter

  • 22Der Herr hat mich geschaffen im Anfang seiner Wege, vor seinen Werken in der Urzeit;
  • 23in frühester Zeit wurde ich gebildet, am Anfang, beim Ursprung der Erde.
  • 24Als die Urmeere noch nicht waren, wurde ich geboren, als es die Quellen noch nicht gab, die wasserreichen.
  • 25Ehe die Berge eingesenkt wurden, vor den Hügeln wurde ich geboren.
  • 26Noch hatte er die Erde nicht gemacht und die Fluren und alle Schollen des Festlands.
  • 27Als er den Himmel baute, war ich dabei, als er den Erdkreis abmaß über den Wassern,
  • 28als er droben die Wolken befestigte und Quellen strömen ließ aus dem Urmeer,
  • 29als er dem Meer seine Satzung gab und die Wasser nicht seinen Befehl übertreten durften,
  • 30als er die Fundamente der Erde abmaß, da war ich als geliebtes Kind bei ihm. Ich war seine Freude Tag für Tag und spielte vor ihm allezeit.
  • 31Ich spielte auf seinem Erdenrund, und meine Freude war es, bei den Menschen zu sein.

2. Lesung                                                                                       Röm 5, 1-5

Lesung aus dem Brief des Apostels Paulus an die Römer

1Gerecht gemacht aus Glauben, haben wir Frieden mit Gott durch Jesus Christus, unseren Herrn.

  • 2Durch ihn haben wir auch den Zugang zu der Gnade erhalten, in der wir stehen, und rühmen uns unserer Hoffnung auf die Herrlichkeit Gottes.
  • 3Mehr noch, wir rühmen uns ebenso unserer Bedrängnis; denn wir wissen: Bedrängnis bewirkt Geduld,
  • 4Geduld aber Bewährung, Bewährung Hoffnung.
  • 5Die Hoffnung aber lässt nicht zugrunde gehen; denn die Liebe Gottes ist ausgegossen in unsere Herzen durch den Heiligen Geist, der uns gegeben ist.

Evangelium                                                                                                Joh 16, 12-15

  • + Aus dem heiligen Evangelium nach Johannes
  • 12Noch vieles habe ich euch zu sagen, aber ihr könnt es jetzt nicht tragen.
  • 13Wenn aber jener kommt, der Geist der Wahrheit, wird er euch in die ganze Wahrheit führen. Denn er wird nicht aus sich selbst heraus reden, sondern er wird sagen, was er hört, und euch verkünden, was kommen wird.
  • 14Er wird mich verherrlichen; denn er wird von dem, was mein ist, nehmen und es euch verkünden.
  • 15Alles, was der Vater hat, ist mein; darum habe ich gesagt: Er nimmt von dem, was mein ist, und wird es euch verkünden.

Predigt

Von Dr. Jörg Sieger
http://www.joerg-sieger.de/predigt/jahr_c/c_drei.htm

Dreifaltigkeitssonntag (Joh 16,12-15)

In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: Noch vieles habe ich euch zu sagen, aber ihr könnt es jetzt nicht tragen. Wenn aber jener kommt, der Geist der Wahrheit, wird er euch in die ganze Wahrheit führen. Denn er wird nicht aus sich selbst heraus reden, sondern er wird sagen, was er hört, und euch verkünden, was kommen wird. Er wird mich verherrlichen; denn er wird von dem, was mein ist, nehmen und es euch verkünden. Alles, was der Vater hat, ist mein; darum habe ich gesagt: Er nimmt von dem, was mein ist und wird es euch verkünden. (Joh 16,12-15)

Munter sprudelt das Wasser aus der Erde hervor, sammelt sich zu Füßen eines großen Baumes und formiert sich dann zu einem kleinen Bach. Über unzählige Steine hinweg gräbt sich jener kleine Bach dann seinen Weg den Hang hinunter, bis weit hinein in das Tal. Und er wächst dabei, er wird größer und mächtiger, wird zu einem richtigen Gebirgsbach. Und unten im Tal, wo dieser Bach dann ankommt, dort ist er dann schon so groß geworden, dass die Menschen, die an seinem Ufer wohnen, bereits von einem Fluss sprechen.

  • Aus der kleinen Quelle, die mitten im Wald entspringt ist ein kleiner Fluss geworden, ein Fluss, der sich dann ganz am Ende, fernab von seinem Ursprung im Wald in ein großes Meer ergießen wird. Davon wollte ich Ihnen heute erzählen: von einer Quelle, von einem Bach und einem Fluss.

Und ich tue das ganz bewusst heute am Dreifaltigkeitssonntag; nicht weil diese Quelle etwa berühmt wäre oder etwas besonders darstellen würde, ich tue es deswegen, weil mir so eine Quelle geholfen hat. Sie hat mir geholfen, als ich mich schon fast verzweifelt gefragt habe, was die Theologie denn meint, wenn sie von der Dreifaltigkeit spricht.

Es gibt schließlich denke ich in unserem Glauben keinen schwierigeren Punkt als dieses Sprechen vom dreifaltigen Gott, von einem Gott, der ein einziger ist, aber dennoch in drei Personen existiert. Da haben sich zu allen Zeiten die klügsten Theologen die Köpfe d’rüber zerbrochen, ohne auch nur auf einen grünen Zweig zu kommen. Und vermutlich wird das auch so bleiben, denn verstehen wird man das was man mit Dreifaltigkeit meint mit Sicherheit nicht. Das hieße ja, dass wir mit unserem kleinen Kopf, Gott verstehen könnten. Gott aber wird für uns immer ein Geheimnis bleiben.

Wo aber all unser Denken versagt, da hat mir dann diese kleine Quelle geholfen. Ein Bild, ein wunderschönes Bild, das mir ein klein wenig hilft, mit diesem ach so schwer verständlichen Satz von der Dreifaltigkeit zumindest ein klein wenig umgehen zu können. Im 4. Jahrhundert hat der große Theologe Gregor von Nazianz diese Geschichte von der Quelle, dem Bach und dem Fluss zum ersten mal erzählt. Und er hat dies getan, um den Menschen seiner Zeit ein klein bisschen deutlich zu machen, wie man sich das mit der Dreifaltigkeit denn so ganz von ferne zumindest vorstellen könne.

Von Karl Sendker
http://www.karl-sendker.de/dreifaltigkeit_c.htm#Joh%2016,12-15

Ist Ihnen das schon einmal aufgefallen: In den meisten Pfingstliedern steht die Bitte um das Kommen des Heiligen Geistes.

  • Aber was ist denn eigentlich, wenn der Heilige Geist dann gekommen ist?
  • Vielleicht ist er ja schon da, und wir rufen immer noch: „Komm Heiliger Geist“.
  • Was passiert denn eigentlich, wenn der Heilige Geist kommt?
  • Wo mit müssen rechnen, und wo mit dürfen wir rechnen, wenn der Heilige Geist gekommen ist?
  • Davon redet heute das Evangelium.

Drei Aspekte:

  1. Ein Erstes: Jesus sagt: „Wenn der Heilige Geist kommt, dann wird er zu euch reden.“ Und er sagt ausdrücklich: „Der Heilige Geist wird nicht von sich aus zu reden, sondern was er vom Vater hört, das wird er zu euch reden.“

Das heißt mit anderen Worten: Durch den Heiligen Geist redet der Vater im Himmel zu dir. Und das ist etwas ganz Großes, dass der Heilige Geist nicht nur wie im Alten Testament zu einigen wenigen Auserwählten redet, etwa zu Königen oder Propheten. Nein, zu dir will er reden. Gott will durch den Heiligen Geist ganz persönlich zu deinem Herzen reden.

Aber wie geht das, wenn Gott durch den Heiligen Geist zu uns redet? Wie sieht das ganz praktisch aus?

Am häufigsten redet Gott zu uns durch die Heilige Schrift. Davon habe ich schon oft in den Predigten gesprochen. Aber heute möchte ich den Akzent einmal auf etwas anderes setzen:

Wenn Gott durch den Heiligen Geist zu dir redet, dann tut es oft durch ganz alltägliche Begebenheiten. Ganz alltägliche Ereignisse werden auf einmal durchscheinend für das Reden Gottes. Dafür einige Beispiele:

Im Alten Testament hat der Prophet Jeremia die Stimme Gottes gehört. Und wie geht das: Er sitzt in seiner Hütte vor einem gemauerten Ofen. Auf dem Ofen steht ein Topf mit siedendem Wasser. Und weil der Ofen nicht ganz gleichmäßig gemauert war, stand der Topf ein bisschen gekippt. Als nun das Wasser anfängt zu kochen, da läuft der Topf nach einer Seite, nach Norden hin über. Ein ganz alltäglicher Vorgang. Das konnte man damals in jeder Küche beobachten. Aber als der Prophet Jeremia vor diesen überkochendem Topf sitzt, da fängt Gott auf einmal an, zu ihm zu sprechen. Und der Heilige Geist macht ihm klar: So wie der Topf überläuft nach Norden hin, so werde ich von Norden ein Volk kommen lassen, das Israel den Garaus macht. Jeremia sieht voraus, dass Israel in die Babylonische Gefangenschaft verschleppt wird.

Da wurde ein ganz alltägliches Ereignis durchscheinend für das Reden Gottes.

Oder ein anderes Beispiel, das aus dem Neuen Testament besser kennen. Da kommt der Engel zu Maria und sagt ihr: Auch Elisabeth, deine Verwandte hat in ihrem hohen Alter ein Kind empfangen. Und dann eilt Maria zu Elsabeth. Und als Maria in das Haus Elisabeths tritt, da fängt das Kind im Mutterschoß der Elisabeth an zu strampeln.

Wiederum ist es ein ganz alltäglicher Vorgang, dass im sechsten Monat ein Kind im Bauch der Mutter strampelt. Aber hier heißt es : Elisabeth wurde vom Heiligen Geist erfüllt. Und sie erkennt auf einmal: Vor mir steht eine junge Frau, die auch schwanger ist. Dabei konnte man bei Maria noch nichts davon sehen. Und Elisabeth erkennt durch das Wirken des Heiligen Geistes: Maria ist nicht nur schwanger, sondern sie wird die Mutter des Allerhöchsten sein.

Das erkennt Elisabeth durch dieses ganz alltägliche Strampeln ihres Kindes im Mutterschoß. Diese alltägliche Begebenheit wird vom Heiligen Geist auf einmal lebendig gemacht.

Aber das gibt es in unserer Zeit auch. Da bist Du vielleicht ganz down, dass du gar keinen Lebensmut mehr hast. Und dann bekommst Du irgendeinen Anruf oder einen lieben Brief. Und auf einmal merkst du : Hier will Gott selber mich aufrichten.

Ich hab das selber einmal vor einigen Jahren als Pfarrer erlebt, als ich ganz unten war. Ich hatte absolut keine Lust mehr an meinem Dienst, weil in der Pfarrei vieles daneben gegangen war. Und dann schickte mir ein Mädchen, das eine Ballonfahrt gewonnen hatte, ein Luftfoto von meiner Pfarrkirche. Und hinten auf das Foto hatte sie geschrieben: „So schön schaut Ihre Pfarrei von oben aus.“

Als ich dieses Foto gesehen habe, habe ich eine ganz neue Perspektive bekommen. Ich habe gemerkt: man muss aus einer anderen Perspektive schauen. Von unten aus gesehen, sieht manchmal alles so trostlos aus. Aber von oben her betrachtet, bekommt alles ein ganz neues Leuchten.

Das ist so eine Weise, wie der Heilige Geist zu uns redet. Und es ist so hilfreich, dass er das tut. Es ist so hilfreich, wenn man über alltäglichen Dingen still werden kann, so lange, bis man hinter den alltäglichen Begebenheiten die Stimme Gottes hört.

Ein Zweites, was der Heilige Geist tut:

Er wird euch das Zukünftige verkünden. Damit ist nicht gemeint, dass der Heilige Geist uns alle zu Hellsehern macht, so dass wir die Zukunft voraus sagen können. Nein, hier ist etwas ganz anderes gemeint. Zukunft, das bedeutet hier: das was auf mich zukommt. Dass ich das, was auf uns zukommt, aus der Perspektive Gottes sehen darf, das ist Wirken des Heiligen Geistes.

Da kann es zum Beispiel sein, dass über eine Familie eine Not nach der anderen hereinbricht. Und irgendwann sitzt man dann ratlos da und fragt: Warum ausgerechnet immer wir? Wir bemühen uns doch nach den Geboten Gottes zu leben. Warum trifft es dann ausgerechnet immer uns?

Das ist es, was dann auf uns zukommt, was uns überfällt.

Und wenn man dann von Gott her eine Antwort bekommt, warum Gott diese Not in unserem Leben zulässt, das ist etwas ganz Hilfreiches. Gut, dann ist die Not noch nicht weg, aber es wird leichter, in dieser Not zu bestehen und nicht daran zu zerbrechen. Wie oft habe ich das im Leben meiner Familie erfahren dürfen, dass Not über uns hereinbrach, und dass Gott uns durch den Heiligen Geist erklärte hat, warum das alles auf uns zugekommen ist.

Aber das gilt nicht nur in dem kleinen Bereich wie etwa der Familie.

Überlegen Sie einmal: Wie viele Menschen haben heute Angst, vielleicht sogar berechtigte Angst davor, was alles in unserer Welt noch auf uns zukommt? Wie viele Menschen haben Angst vor einer ökologischen Katastrophe, vor Genmanipulation. Ob das alles unbedenklich ist, was die Wissenschaftler da ausprobieren? Wie viele Menschen sind heute geprägt von einer tiefen Lebensangst, was wohl alles noch auf uns zukommt.

Und wenn man dann aus der Perspektive Gottes sehen darf, dass Gott alles unter Kontrolle hat, das ist so ermutigend. Und es geht von Gott her gesehen auch gar nicht um die Frage: Was kommt auf uns zu? Es geht um die Frage: Wer kommt auf uns zu?

Und dann bekommst du in der Heiligen Schrift im letzten Buch des Neuen Testamentes, in der Offenbarung des Johannes gleich in den ersten Versen dieses Bild vor Augen gestellt: „Siehe Er kommt in den Wolken.“ Nicht was auf uns zukommt, ist entscheiden, sondern dass Er auf uns zukommt.

Wie hat Jesus das selber in der Endzeitrede des Lukasevangeliums gesagt: „Die Menschen dieser Welt werden vor Angst vergehen und in der Erwartung der Dinge, die über diese Erde kommen sollen. Ihr aber, wenn ihr das alles seht, dann erhebt eure Häupter, denn eure Erlösung ist nahe.“

Wir haben unseren Blick auf ihn gerichtet, und nicht auf das, was auf uns zu kommt. Und so wird uns mitten in den Bedrängnisse dieser Zeit Kraft gegeben.

Links
http://www.karl-sendker.de/dreifaltigkeit_c.htm#Joh%2016,12-15
http://www.berlinprojekt.com/Texte_standard/downloads07.html
http://www.audiopredigt.de/predigten.htm
http://de.wikipedia.org/wiki/Predigt

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